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Was ist Traditionelle Chinesische Medizin (TCM)?

Mai 26, 2019

Was ist eigentlich TCM?

Chinesische Medizin ist 80 Prozent Lebensführung, 10 Prozent Akupunktur, 10 Prozent Kräutermedizin.

Das meint der Wiener Arzt Dr. Georg Weidinger und bringt es damit auf den Punkt. Die Art und Weise wie wir unser Leben gestalten hat einen großen Einfluss auf unsere Gesundheit, und das nicht nur in China.

Gesundheit ist ganzheitlich

Unter Traditioneller Chinesischer Medizin – kurz TCM genannt – wird ein breites Spektrum an ganzheitlichen medizinischen Praktiken aus dem ostasiatischen Raum und China zusammengefasst. Mehr als 2.000 Jahre hat die TCM in jedem Fall auf ihrem Buckel, so viel ist sicher. Ihre Methodiken sind heute so aktuell wie damals.

Alles ist mit allem verbunden: Die Sichtweise der Traditionellen Chinesischen Medizin ist holistisch. Dies bedeutet, dass sie die Dinge in einen ganzheitlichen Zusammenhang setzt, indem Körper, Geist und Seelenleben als eine Einheit betrachtet werden. Alle Teile unseres Systems sind über Energielinien miteinander verbunden. Gleichzeitig stehen wir darüber auch mit unserer Umwelt in Verbindung. Die Chinesen nennen diese Energielinien Meridiane.

Gesundheit ist individuell

Ist eine Person krank, wird der gesamte Mensch – und nicht nur ein betroffener Körperteil – untersucht und behandelt. Damit unterscheidet sich die TCM von den meisten klassischen Praktiken der Medizin. „Krankheit“ bedeutet nach der TCM, dass in unserem System etwas in Unordnung geraten ist. Die Kräfte von Yin und Yang sind nicht in Balance.

Neben der körperlichen Verfassung zieht die TCM eine Vielzahl weiterer Faktoren bei einer Behandlung in Betracht. Untersucht werden u.a. der emotionale und mentale Zustand eines Patienten, seine Ernährung, der persönliche Lebensstil und das Umfeld. Deshalb gibt es in der TCM auch kein Medikament, welches ein und dieselbe Wirkung für alle hat.

Die passende Behandlung entsteht auf Grundlage der individuellen Konstitution eines jeden Menschen. Gesundheit ist damit so vielfältig wie die Menschheit an sich.

Gesundheit ist Eigenverantwortung

Die TCM umfasst – je nach Betrachtungsweise – meist vier oder fünf Therapiebereiche, die ineinander greifen und unterschiedlich eingesetzt werden. Diese sind Akupunktur, die Behandlung mit Heilkräutern, Bewegung/Massage und Ernährung.

Für Behandlungstherapien mit Akupunktur und Heilkräutern sind ausgebildete Spezialisten zuständig. Alle anderen Bereiche beziehen sich auf das, was Dr. Weidinger unter „80 Prozent Lebensführung“ versteht. Wir können selbst Hand anlegen und unsere Gesundheit aktiv mitgestalten.

Nehmen wir nun die einzelnen Bereiche der TCM genauer unter die Lupe.

Nadelstiche, die heilend wirken: Akupunktur

Als der Gletschermann „Ötzi“ vor mehr als 5.000 Jahren die Ötztaler Alpen überquerte, konnte er nicht wissen, dass der Fund seiner Leiche im Eis 1991 mehrere wissenschaftliche Sensationen auslösen sollte. Was er möglicherweise aber wusste und kannte, waren komplexe naturmedizinische Methoden.
In Ötzis Haut fanden Wissenschaftler verschiedene Punkt-, Kreuz- und Strichformen als Tätowierungen eingeritzt, die man sich lange nicht erklären konnte. Heute weiß man, dass sich diese u.a. mit klassischen Akupunktur-Punkten decken und sie analog zu jenen Krankheiten sind, unter welchen der Ötzi zu Lebzeiten litt. Ein Ansatzpunkt der heutigen Forschung ist deshalb, dass in der Jungsteinzeit bereits komplexes, heilmedizinisches Wissen vorhanden war.

Akupunktur ist ein Teilbereich der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM).

Foto von Walti Göhner auf pixabay.com.

Die Akupunktur ist heute der bekannteste Bereich, den man bei uns aus der TCM kennt. Als ergänzende und alternative Behandlungsmethode werden die entlang der Meridiane gesetzten Nadeln heute geschätzt und anerkannt. Ausgeführt wird eine Akupunkturbehandlung von speziell ausgebildeten Therapeuten.

Was die Alten schon wussten: Heilkräuter

Das Wissen um die Heilkraft verschiedener Kräuter war in alten Kulturen tief verankert. Auch unsere Großmütter wussten, welche Pflanzen sich für welche Wehwehchen einsetzen ließen. Pflanzen und auch tierische Produkte wurden (und werden) verwendet, um menschliche Leiden zu lindern und zu heilen.

Heute feiern die heilbringenden Wirkungen von Kräutern und anderen Pflanzen eine große Wiederentdeckung. Bei uns ist die Anwendung dieses Bereiches der TCM Ärzten und Ärztinnen vorbehalten, die über eine spezielle TCM-Zusatzausbildung verfügen. Es spricht jedoch nichts dagegen, auch mal einen Kurs über regionale Heilkräuter zu belegen oder bei unseren Omas und Großtanten nachzufragen. 🙂

Die Behandlung mit Heilkräutern ist ein Teilbereich der Traditionellen Chinesischen Medizin.

Foto von Calum Lewis auf unsplash.com

Neben dem Wissen um TCM-Heilkräuter und Akupunktur gibt es jedoch viele Aspekte, um die wir uns selbst kümmern können. Diese sehen wir uns jetzt an.

Achtsamkeit statt Leistungsdruck: Bewegung für Körper & Geist

Um in allen Lagen agil zu bleiben, sollte unser Körper bewegt werden. Dafür sind in der TCM Qi Gong und Tuina zuständig. Ähnlich wie physisches Yoga, Pilates, Feldenkrais oder auch Physiotherapie umfasst Qi Gong verschiedene Körperübungen, die mit Achtsamkeit ausgeführt werden. Körperübungen unterscheiden sich von Sport, da sie ohne Wettbewerb und Höchstleistungen praktiziert werden, um stattdessen zu beobachten, was unserem Körper gut tut und was nicht.

Bewegung und Massage sind Teilbereiche der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM).

Es muss nicht unbedingt Yoga oder Qi Gong sein – auch eine Runde Laufen in der Natur und ohne Druck oder eine gemütliche Wanderung tun oft Wunder und machen zudem den Kopf frei. Apropos: Damit auch der Geist in Schwung bleibt, beinhaltet Qi Gong verschiedene Meditations- und Atemübungen. Sie fungieren als „Fitnessstudio“ für unseren Kopf und sorgen für ein mentales Workout.

Tuina setzt dort an, wo wir auf die Grenzen unseres eigenen Bewegungsradius stoßen. Sie ist die Form der klassischen chinesischen Massage. Dabei hilft uns ein Therapeut, jene Dinge zu mobilisieren, die sich nicht von selbst in Bewegung setzen lassen. Tuina beinhaltet nicht nur Massagetechniken, sondern auch Stretching, Reflexzonenbehandlung, Akupressur und Chiropraktik.

Du bist was du isst: Ernährung

Nahrung ist das Schmieröl unseres Körpers. Sie trägt dazu bei, dass der „Motor läuft“ und wir aus dem Inneren heraus gesund und fit bleiben. Die Qualität unseres „Schmieröls“ spielt dabei eine wichtige Rolle. Auch Ernährung ist so individuell und vielfältig wie wir Menschen.

Karfiol (Blumenkohl), Cashew-Nüsse und Eier sind die Zutaten unseres Low Carb Pizza Teigs.

Das Rezept für meine Low Carb Pizza findest du auch auf diesem Blog.

Essen, das für den einen Menschen wohltuend ist, kann einem anderen buchstäblich schwer im Magen liegen. Für Ernährung nach TCM finden sich deshalb verschiedene Orientierungshilfen, jedoch ist nur eines fix: Es gibt keinen Einheitsbrei, der allen schmeckt und für alle gesund is(s)t.
Auf meinem Blog findest du verschiedene Rezepte, die dich beim Experimentieren für dein individuelles Ernährungs-Rezept unterstützen können.

East meets West: TCM und die westliche Medizin

Bewegung, gesundes Essen oder Meditation:  Dass diese und andere Praktiken einen positiven Effekt auf unsere physische und mentale Gesundheit haben, ist heute bewiesen. Die TCM zählt zu den sogenannten alternativen Heilmethoden, welche unsere westliche Medizin ergänzen.

Seit dem letzten Jahrhundert hat die klassische Medizin unzählige Leben gerettet, da sie verschiedene Krankheiten nicht nur entdeckt und geheilt hat, sondern ihnen auch vorbeugt. Der bemerkenswerte wissenschaftliche Fortschritt hat zahllose Krankheiten – wie z.B. Polio oder Pocken – buchstäblich (fast) aus der Welt geschafft, und das oft mit Hilfe einer einzigen Injektion! Der herausragende Erfolg der klassischen Medizin ist unumstritten. Sie unterstützt uns dabei, die Lebensqualität der Menschheit weiter zu verbessen.

Es gibt jedoch auch Krankheiten, die sich nicht mit einer einzelnen Behandlungsart, Spritze oder Operation heilen lassen. Dazu zählen z.B. Depression, Krebs, Herz- oder Autoimmunkrankheiten. Sie werden von einer Kombination an physischen, genetischen, umwelttechnischen und sozialen Faktoren ausgelöst. Dieser Mix an Faktoren macht es extrem schwierig, eine Behandlungsmethode zu finden, die auf alle Menschen anwendbar ist. Aufgrund der enormen Komplexität blickt die westliche Wissenschaft deshalb über den Tellerrand. Schritt für Schritt öffnen sich Tür und Tor, um auch alternative Heilmethoden zur Krankheitsbehandlung einzusetzen.

Gesundheit liegt (auch) in unserer Hand

Viele therapeutisch-holistische Ansätze – wie Ayurveda, Yoga, TCM oder Naturheilpraktiken – haben in den letzten Jahren verstärkt an Anerkennung gewonnen und werden heute mit klassischen Behandlungsmethoden kombiniert. Sie helfen uns dabei, wieder mehr Eigenverantwortung für unsere Gesundheit und unser Leben zu übernehmen.

Der Schlüssel dazu liegt in vielerlei Hinsicht darin, wie wir unser Leben führen. Um es mit Dr. Weidingers Worten auszudrücken:

Und Lebensführung bedeutet die Art, wie wir täglich leben, wie wir in der Früh aufstehen, was wir essen, wie wir uns bewegen, wie wir mit unserer Arbeit, mit unseren Mitmenschen umgehen, mit unseren Partnern, mit unseren Kindern, unseren Tieren, woran wir glauben, wovor wir Angst haben, unsere Einstellung zu Krankheit und Tod und wie wir am Abend schlafen gehen. Über all das (…) möchte ich (…) erzählen und Ihnen viele viele Anregungen für ein achtsameres, glücklicheres, gesünderes und vielleicht längeres Leben geben.

Mit meinen Rezepten, Gedanken und Ideen möchte ich dich dazu inspirieren! 🙂 Für eine intensivere Beschäftigung mit TCM kann ich dir Dr. Weidingers Buch „Die Heilung der Mitte“ sehr empfehlen.